Ritter

Historie


Ritter Im 4. Jahrhundert ließ der Hl. Basilius, Bischof von Caesarea, vor den Toren seiner Stadt ein von Mönchen betreutes Spital für Aussätzige einrichten, das dem Hl. Lazarus geweiht war. Diese Gründung wurde zum Vorbild für die zahlreichen Leprösen-Häuser im Heiligen Land, so auch in Jerusalem. Neben der Pflege der Aussätzigen widmete man sich in den Spitälern des Hl. Lazarus zunehmend auch der Versorgung des stetig wachsenden Stroms von Pilgern aus allen Ländern Europas. Das Wort "Lazarett" weist bis zum heutigen Tage auf das segensreiche Wirken der Lazariter hin.

Nach der Eroberung Jerusalems im ersten Kreuzzug (1098) erweiterte sich die Fürsorge in den Spitälern des Hl. Lazarus verstärkt auch auf Kreuzfahrer, unter denen die Lepra rasch neue Opfer fand. Mitglieder des Templerordens, aber auch anderer Ritterorden, die an Aussatz erkrankten, mussten sich von ihren Orden trennen und fanden Aufnahme in den Häusern des Hl. Lazarus. Unter dem Zwang der politischen Ereignisse übernahm der ursprünglich rein hospitalische Orden mit päpstlicher Unterstützung mehr und mehr auch militärische Aufgaben. Gemeinsam mit den Templern, Johannitern und Deutsch-Ordensrittern wurden dem nunmehr Militärischen und Hospitalischen Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem der Schutz der Heiligen Stätten und der Pilger übertragen.

Die Ritter des Lazarus-Ordens werden beispielsweise in den Chroniken der Schlachten von Gaza (1244), Mansura (1250) oder Ramlah (1252) genannt. Nach dem Verlust Akkons (1291), der letzten Bastion der Kreuzfahrer vor ihrer Vertreibung aus dem Heiligen Land, an deren Verteidigung neben den Templern, Johannitern und Deutsch-Ordensritter auch die Ritter des Lazarus-Ordens beteiligt waren und einen hohen Blutzoll entrichteten, endete die Jahrhunderte lange Präsenz dieses christlichen Ritterordens im Heiligen Land.

Rund 150 Jahre vorher, etwa Mitte des 12. Jahrhunderts, tauchte das grüne Kreuz des Hl. Lazarus erstmals auch in Europa auf. König Ludwig VII. von Frankreich übertrug dem Lazarus-Orden nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land das königliche Schloß Boigny bei Orléans, das später zum Sitz des gesamten Ordens avancierte. Neben Frankreich entstanden Ordensniederlassungen von Portugal bis Ungarn, von Italien bis Schottland. Aufbauend auf den einzigartigen Erfahrungen in der Pflege der Aussätzigen, die der Lazarus-Orden über Jahrhunderte hinweg im Heiligen Land sammeln konnte, übertrugen ihm kirchliche und weltliche Herrscher umfangreichen Besitz als materielle Grundlage zur Betreuung der Leprösen.

Im deutschen Sprachraum bildeten Thüringen, die Schweiz, der Breisgau, Südhessen und der Mittelrhein Schwerpunkte des Lazarus-Ordens. Von besonderer Bedeutung hierbei war das Hospital Maria Magdalena in Gotha, das von der Hl. Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, gestiftet und um 1229 an den Lazarus-Orden übergeben worden war. Das Haus erscheint fortan als selbständige Kommende des Lazarus-Ordens. Durch zahlreiche Schenkungen, insbesondere des Erzbischofs von Mainz, erlangte der Orden Besitz weit über Gotha hinaus. Hierbei sei insbesondere auf die Ordenshöfe in Breitenbach, in Braunsrode bei Heldingen, in Wackenhof im Kreis Eisenach, in Helmsdorf und auf die Kommende Sangerhausen in der Diözese Halberstadt hingewiesen.

Neben Besitzungen in Thüringen bildeten die Kommenden im südhessischen Megersheim (wir verweisen hierzu auf den Abschnitt "Historie" auf der Website der Kommenden) und in Schlatt bei Freiburg im Breisgau einen besonderen Schwerpunkt der segensreichen Tätigkeit des Lazarus-Ordens in Deutschland.

Ende des 15. Jahrhunderts nahm mit dem Rückgang der Lepra-Erkrankungen auch die Bedeutung des Lazarus-Ordens in Deutschland ab. Auf päpstlichen Erlass hin wurde umfangreicher Besitz des Ordens auf andere kirchliche Orden und weltliche Träger übertragen. Im Gefolge der Reformation, aber auch als Ergebnis weiterer Besitzverluste durch die Kriege des 16. und 17. Jahrhunderts, zog sich der Orden aus Deutschland zurück.

Eine Präsenz des Lazarus-Ordens auf deutschem Boden entstand erst wieder während der Französischen Revolution. 1791 waren in Frankreich alle königlichen und kirchlichen Orden aufgehoben worden; somit auch der Lazarus-Orden, der unter dem direkten Schutz der französischen Krone stand. Der amtierende Großmeister des Lazarus-Ordens, Louis Stanilas de France, der spätere König Ludwig XVIII, verließ Frankreich im gleichen Jahr und begab sich ins Exil in Koblenz. Er übte von dort das Amt des Großmeisters des Ordens aus. In dieser Zeit wurden beispielsweise der russische Zar Paul I und der schwedische König in den Lazarus-Orden aufgenommen. Pläne zur Vereinigung des Anfangs des 19. Jahrhunderts heimat- und besitzlosen Ordens vom Hl. Lazarus mit dem Orden des Hl. Johannes scheiterten am Widerspruch des russischen Zaren. Mit dem Ende der napoleonischen Epoche erlebte der Lazarus-Orden die Wiedereinsetzung in seine Rechte.

Von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die weitere Entwicklung des Lazarus-Ordens erheblich von politischen Rahmenbedingungen und den Weltkriegen beeinträchtigt, so insbesondere auch in Deutschland. 1972 wurde die damalige "deutsche Delegation" in den Rang einer Kommende erhoben Im Februar 2001 folgte die weitere Erhebung in den Rang eines Großpriorats. Der 48. Großmeister des Militärischen und Hospitalischen Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem, S.K.H. Don Francisco de Borbón y Escansany, Herzog von Sevilla, ernannte I.D. Prinzessin Christa zur Lippe zur Großpriorin. Ihr folgte im September 2005 im Amte des Großpriors ihr Sohn, S.D. Prinz Ernst August zur Lippe.